I Das Bild vom Kind in der Kinderakademie

Wir alle-Kinder wie Erwachsene- lernen mit dem Körper, in Bewegung im Tun. Unser Gehirn ist so gebaut, dass es am besten adaptiert, wenn wir erforschen, probieren, fragen, experimentieren, gemeinsam etwas verändern können. Wir lernen am besten in einer Kultur der Anerkennung:

Anerkannt wird, dass der Einzelne, kostbare, spezifische Fähigkeiten hat, die individuell zu erkennen und zu fördern sind.

Anerkannt wird, dass es keine allgemeine Wahrheit gibt, dass Lernen also immer auch ein Akt der Verständigung über ein Thema ist.

Anerkannt wird, dass auch Lehrende lernende sind- ein „learning by doing“, bei dem Lehrer zu Moderatoren werden.

Murphy-Witt: Was Kinder für die Zukunft brauchen; München 2004, S. 15

Die Akademie für Kinder mit ihren Zielen und Idealen sieht sich im Angesicht der Kinder als Vergangenheit. Wir können nur vermuten, welche Fähigkeiten, Qualifikationen und Tugenden die Generation der Zukunft benötigt. Um diesen Vermutungen eine möglichst breite Erkenntnisgrundlage für die Entwicklung einer daraus resultierenden Konzeption zu ermöglichen, ist es notwendig für diese Organisation ein breites Netzwerk zu entwickeln, das sich auf alle verfügbaren Kompetenzen stützen kann.

Als Schlüsselqualifikation für ein glückliches, erfülltes Leben in der Zukunft unter unbekannten Bedingungen, sieht die Akademie die Befähigung und Motivation zu einem lebenslangen Lernen. Die Akademie wird die Kinder in ihrer Freude am Lernen unterstützen, wird ihnen als lernender Partner zur Verfügung stehen und möchte von dem offenen Umgang der Kinder mit ihrer Umwelt und deren ständigen Forschungs- und Wissbegehren lernen.

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II Bildung und Erziehung der Kinder

Basiskompetenzen

Entscheidender Impuls für eine Neugestaltung der Pädagogik insgesamt ist die Schwerpunktverlagerung in der Wissensvermittlung vom Was (Inhalte) zum Wie (Methoden). Aus diesem Grund treten Kompetenzen zur Erschließung von Fähigkeiten gegenüber der reinen Wissensvermittlung in den Vordergrund. Dies wird auch in den Hamburger Bildungsempfehlungen für Kindertagesstätten sichtbar.

Die Aneignung und der Ausbau von Basiskompetenzen als Voraussetzung dafür, spezifische Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften zu erwerben, stellen eine der wichtigsten Bildungsaufträge der Einrichtung dar. Die zu erwerbenden Basiskompetenzen werden den vier Kompetenzbereichen Ich-, Soziale-, Sach- und Lernmethodische Kompetenz zugeordnet und stehen im Zentrum der Ausrichtung aller Projekte und Beobachtungen.

Das Kind soll in der Kindertageseinrichtung Kompetenzen erwerben, die es in die Lage versetzen, in verschiedenen Situationen seines Lebens selbstständig und verantwortungsbewusst zu handeln. Die Kompetenzen bezeichnen die Zielrichtung bei der Förderung der Kinder. Sie sind gegliedert in Ich-Kompetenzen, soziale Kompetenzen, Sachkompetenzen und lernmethodische Kompetenzen.

Ich-Kompetenz meint, sich seiner selbst bewusst sein; den eigenen Kräften vertrauen; für sich selbst verantwortlich handeln; Unabhängigkeit und Eigeninitiative entwickelt haben. Sich in eine Frage, eine Tätigkeit, einen Sachverhalt vertiefen können, die Aufmerksamkeit lenken können, sich konzentrieren.

Soziale Kompetenz meint, soziale Beziehungen aufnehmen und so gestalten, dass sie von gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung geprägt sind; soziale und gesellschaftliche Sachverhalte erfassen; im Umgang mit anderen verantwortlich handeln; unterschiedliche Interessen aushandeln.

Sachkompetenz meint, sich die Welt aneignen, die sachlichen Lebensbereiche erschließen, sich theoretisches und praktisches Wissen und Können (Fähigkeiten und Fertigkeiten) aneignen und dabei urteils- und handlungsfähig werden, Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit entwickeln.

Lernmethodische Kompetenz meint ein Grundverständnis davon, dass man lernt, was man lernt und wie man lernt; die Fähigkeit, sich selbst Wissen zu beschaffen und Können anzueignen, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden; die Bereitschaft, von anderen zu lernen.

Dr. Dreier u.a.: Entwurf Hamburger Bildungsempfehlungen stand 09.06.2005; Behörde für Soziales und Familie der Freien und Hansestadt Hamburg

Bildungsbereiche

Die folgend genannten Bildungsbereiche unterstützen den Erwerb der Basiskompetenzen. Verbindliche Projekte werden den einzelnen Bildungsbereichen zugeordnet, um den Kindern ihrer Altersstufe entsprechend ein Kennen lernen der einzelnen Bereiche zu ermöglichen und ihr Bewusstsein für eine differenzierte Betrachtung der Welt zu schärfen.

Für Kinder ab 3 Jahren ist die Bereitstellung verbindlicher Projekte im Rahmen einer Jahresplanung für die folgenden Bildungsbereiche geplant:

Naturwissenschaftlicher Bereich, z.B.

  • Mathematik
  • Biologie
  • Physik

Geisteswissenschaftlicher Bereich

  • Soziales Leben
  • Schriftkultur und Medien
  • Sprache

Künstlerisch-kreativer Bereich

  • Musik
  • Bildnerisches Gestalten
  • Darstellendes Spiel

Gesundheitsbereich

  • Ernährung
  • Körperwahrnehmung
  • Bewegung

Die Entwicklungsstufen und ihre Angebote

Krippe; Schwerpunkt: Ich- und Soziale Kompetenzen

Im Alter von einem Jahr empfinden die Kinder häufig, ohne dass schlechte Erfahrungen vorausgegangen sein müssen, eine extreme Furcht vor dem Ungewohnten und vor dem Alleinsein, so dass es sich eng an seine Eltern hält, obwohl oder gerade weil sie jetzt in der Lage sind, sich von ihnen zu entfernen.

In vertrauter Umgebung sind die Kinder äußerst fröhlich und freundlich, schließlich beginnt es mit einem Jahr meist alleine zu laufen. Damit ist ein enormer Antrieb verbunden, den neu verfügbaren Raum zu erkunden, das Weltbild und die kognitiven Fähigkeiten zu erweitern.

Dieses Alter erfordert möglichst umfangreiche und intensive aber einfühlsame Sinneserfahrung.

Vor allem das zunehmend bessere Gedächtnis und die Sprache helfen den Kindern, die neuen Erfahrungen zu ordnen und zu verstehen. Das Alter von 1- 2,5 wird auch das Alter des Spracherwerbs genannt. Die Umwelt wird nunmehr aktiv erkundet, und alle erreichbaren Gegenstände werden untersucht, wobei die Kinder nicht mehr unterbrochen werden möchten.

Mit zwei Jahren können die Kinder sich schon bis zu einer Stunde allein ohne Erwachsene beschäftigen. Unter Gleichaltrigen spielen alle mehr oder minder allein, bzw. nebeneinander her.

In dieser äußerst sensiblen, sehr bindungsstarken, abhängigen und oft auch äußerst massiven Entwicklungsphase der Kinder ist die Aufmerksamkeit von Eltern, Erziehern und Einrichtung besonders wichtig. Die Kinder benötigen viel Aufmerksamkeit und Anerkennung auf ihrem Weg.

Dr. Dreier u.a.: Entwurf Hamburger Bildungsempfehlungen stand 09.06.2005; Behörde für Soziales und Familie der Freien und Hansestadt Hamburg, S. 12

Der Einstieg zum Erwerb der Basis-Kompetenzen vollzieht sich hier. Im Krippenalter werden die Grundsteine zur Ich- und Sozialkompetenz gelegt.

Die kleine Krippengruppe (max. 8 Kinder) gibt den Kindern einen überschaubaren, behüteten Rahmen, der die Vorteile einer familiären Atmosphäre mit der sozialen Kompetenzerweiterung einer Kindergruppe verbindet. Die Kinder lernen in einer geschwisterähnlichen Umgebung voneinander und profitieren von dem sicheren Rahmen, die ihnen die enge Bindung zur Bezugsperson (Erzieherin) ermöglicht.

Zur Unterstützung der Entwicklung der ersten Basiskompetenzen, der Ich- und Sozialkompetenz, ist die Auslösung der Großstadtkinder im Krippenalter aus ihrem Inseldasein  ein wichtiger Schwerpunkt der Krippenpädagogik. Krippenkinder sollen ihren Möglichkeiten entsprechend ihre unmittelbare Umgebung körperlich erkunden (d.h. mit ihren Füßen) und ihre Mobilität entdecken und ausbauen.

Im Krippenbereich sind Projekte für eine ganzheitliche Wahrnehmung aus den Bereichen Musik, Körper und Bewegung, Sprache und soziales und kulturelles Leben zu wählen.

Elementar; Schwerpunkt: Soziale- und Sachkompetenzen

Der labilen Trotzphase mit ihrer Ichbezogenheit, Selbstbehauptung und ersten Lösungen aus der engen Verbundenheit mit den Eltern folgt die Überwiegend stabile Phase des Ernstspielalters.

Dr. Brehmer: Aus der Praxis einer Kinderärztin; Reinbek 2002, S.21

Die Altersstruktur dieser Gruppe umfasst Kinder vom 3. Lebensjahr bis zur Vorschulreife.

Die Kinder wenden sich wieder intensiver den Eltern und der Mitwelt zu. Sie reagieren empfindlich auf Lob und Tadel, nehmen die Forderungen der Umwelt wahr und können infolgedessen nachhaltig von den Bezugsmenschen erreicht werden.

Die Bezeichnung „Ernstspielalter“ macht deutlich, dass die Hingabe beim Spiel an arbeitende Erwachsene erinnert. Die Kinder führen die von ihnen jetzt geplanten Spielideen begeistert durch, sie sind überhaupt voller Lebensfreude und Energie.

Die Kinder streben nach Selbständigkeit und machen dabei oft die bittere Erfahrung, dass das eigene Können begrenzt ist. Konflikte entstehen auch durch Vergleiche, die die Kinder jetzt anstellen und sich damit der Konkurrenz insbesondere mit älteren Kindern aussetzen. Für das Eigenwertgefühl der Kinder ist es hin und wieder schwer zu ertragen, wenn sie viel mit ihnen überlegenden Kindern zusammen sind.

Das Alter ist geprägt von den Fragen nach dem „Warum“ bzw. „Wozu“. Die Kinder wollen ergründen, welchen Plan, welches Ziel und welchen Zweck die lebendige und die leblose Welt verfolgt.

Kinder dieser Alterstufe sind in der Regel begierig auf alles Neue, entdecken ihre Mobilität und möchten alles ausprobieren. Sie sind Spezialisten im erproben eigener und anderer Grenzen und erfordern ein hohes Maß an Führung.“ 

Dr. Brehmer: Aus der Praxis einer Kinderärztin; Reinbek 2002, S.224

Der besondere Focus dieser Gruppe liegt in der Betrachtung der Sozial- und Sachkompetenz. Die Kinder dieser Gruppe sollen befähigt werden, sich ihrer Individualität zum einen und ihrer Rolle und ihres Verständnisses in der Gruppe zum anderen, bewusst zu werden.

Für die Elementargruppe I sind im besonderen Projekte zur Förderung der Kompetenzen aus den Bereichen Sprache, Musik, Körper, Bewegung und Gesundheit zu wählen.

Dem Spracherwerb und der Schulung des Gehörs ist in diesem Bereich besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Erste Projekte zur Erweiterung der Sachkompetenz werden durchgeführt.

Vorschule; Schwerpunkt: Sach- und Lernmethodische Kompetenz

Mit etwa 5 Jahren ist die Kleinkindphase abgeschlossen, die Kinder sind ausgeglichen, selbständig und anpassungsfähig. Ruhiges, selbstzufriedenes Spiel steht in harmonischem Gleichgewicht mit der Freude an der Geselligkeit.

Die Familie, das alte Gruppenumfeld genügt jetzt nicht mehr. Kinder dieser Altersstufe möchten eigene Ideen und Projekte verwirklichen, sind in der Lage Pläne zu machen und können notwendige Handlungsabfolgen erkennen. Sie können sich über eine gewisse Zeit konzentrieren und der Gruppe an einem Thema arbeiten gleichzeitig sind oft soziale Auseinandersetzungen im Zentrum des Geschehens.

Dr. Brehmer: Aus der Praxis einer Kinderärztin; Reinbek 2002, S.224

Ausreichende Sozial-, Ich- und Sachkompetenzen sind Voraussetzung zum Eintritt in die Elementargruppe II. Das Eintrittsalter in diese Gruppe liegt fließend zwischen 4,5 und 5,5 Jahren. Die Befähigung wird durch den Nachweis der Kompetenzen mittels der Beobachtungsdokumentation festgestellt.

Die Vorschulgruppe wird den Entwicklungsschub würdigen und die Kinder fordern und fördern. Hier wird der nötige Raum und Rahmen für eigene Ideen und Projekte den Kindern zur Verfügung stehen.

Die zentrale Aufgabe der Vorschulgruppe wird der Ausbau der Lernmethodischen Kompetenz sein. Die Kinder können jetzt ohne Schwierigkeiten auf einem Bild oder an einer Person alle Einzelheiten bzw. auf zwei ähnlichen Bildern die feinen Unterschiede erkennen. Sie können ihre Aufmerksamkeit jetzt willentlich konzentrieren, ohne wie früher nur den Gesamteindruck und einzelne auffällige Formen oder Farben zu erfassen.

Im Vordergrund der Bildungsarbeit der Vorschulgruppe steht daher der kognitive Erfahrungsausbau, auch theoretische Einheiten von Wissensvermittlung und in geringerem Maße als in der Elementargruppe I die motorische Entwicklung.

Erfahrungsgemäß sind Projekte besonders erfolgreich,  wenn ein ausgewogenes Maß von Theorie und Praxis sowie visuelle, auditive und kinestetische Aspekte des Projektes didaktisch berücksichtigt werden.

Ein hohes Maß an Kontinuität und die starke Rhythmisierung des Tagesablaufes helfen den Kindern bei der Orientierung in Raum und Zeit.

In dieser Gruppe sind die externen Projekte mit den externen Dozenten von besonderer Bedeutung. Zum Ausbau der Lernmethodischen Kompetenz, zur Konzentrationsförderung und zum Ausbau der Differenzierungsfähigkeit ist es sinnvoll, kleine Lerneinheiten mit unterschiedlichen Bezugspersonen bzw. Dozenten zu veranstalten. Die kleinen Einheiten mit ihren eher tief, als breit angelegten Inhalten und die Unterschiedlichkeit der Dozentur werden die Fähigkeit zur Selektion der Wahrnehmung fördern.

Am Ende der Vorschulzeit, beim Eintritt in die Schule sollen die Kinder mit den gesamten Bildungsbereichen der Akademie in Berührung gekommen sein und die verschiedenen Bereiche voneinander unterscheiden können. Die Kinder sind außerdem in der Lage, sich und ihr Material zu organisieren und sind in den Belangen ihres täglichen Lebens unabhängig.

Hort; Schwerpunkt: Sach- und Lernmethodische Kompetenz

Kinder im Alter ab 6 Jahren werden zunehmend selbständig, unabhängig und eigenständig im Lernen. Durch den Erwerb der Schriftsprache wird das eigenständige Lernen weiter unterstützt. Das abstrakte Denken bildet sich weiter aus. Die Kinder bringen viele Themen aus der Schule mit, die sie je nach Interesse weiterverfolgen möchten. Schulkinder wollen viel Lernen und beginnen gleichzeitig Wissensvorsprünge älterer immer deutlicher wahrzunehmen. Es ist eine sensible Entwicklungsphase, die Anforderungen, Behüten und Annehmen der eigenen Person erfordert.

Während in der Vorschule die Kinder in ihrer Individualität gesehen werden können, gibt es für Schulkinder viele Pflichten und Regeln, die Kinder müssen sich zu vorgegebenen Zeiten konzentrieren, zurückhalten, still sitzen, sich einbringen oder Pause machen. Gestärkt für diese Aufgaben werden sie durch den Ausbau der vier Kompetenzen in ihrer Kindergarten- und Vorschulzeit. An den Hort werden durch die Veränderungen als Schulkind besondere Anforderungen gestellt.

Der Hort unterstützt diese Entwicklungsphase, in dem er den Kindern durch klare Strukturen und Regeln Halt und Orientierung bietet. Gleichzeitig werden unterschiedliche Angebote dem Bedürfnissen der Kinder nach Ruhe, Toben, Spielen und Lernen gerecht. Das Erkennen der eigenen Bedürfnisse und die Umsetzung durch Auswahl und Entscheidung stärkt Ich- und Sozial- Kompetenz.

Themen der Projekte und Angebote werden unter Berücksichtigung dieser Entwicklungsphase, den Bildungsplan unterstützend und unter Mitsprache der Kinder entwickelt.

Ein besonderes Augenmerk in der Hortbetreuung gilt den Hausaufgaben. Hausaufgaben sind ein wesentlicher Bestandteil des Nachmittags und schnell eine Belastung für Kinder und Elternhaus. Gerade berufstätige Eltern können ihre Kinder oft nur unterstützen, wenn sie dafür auf andere Aktivitäten mit ihren Kindern verzichten. Es bleibt kaum Zeit für entspannende, das soziale Gefüge der Familie bereichernde Unternehmungen. Hausaufgabenbetreuung kann das Familieleben in hohem Maße entlasten, wenn sie in enger Absprache mit der Familie und zuverlässig abläuft.

Aufgabe des Hortes ist es also, die Kinder durch die Bereitstellung von Raum, Zeit und Betreuung zu befähigen, die Hausaufgaben eigenständig zu bewältigen. Dies lässt die Kinder mit einem gestärkten Gefühl nach Hause gehen und fördert in hohem Maße die Lernmethodischen Kompetenzen.

Bei Problemen müssen sich Eltern, Schüler, Hort und möglichst auch Schule zusammensetzen und nach geeigneten Maßnahmen auf dem Weg zur Selbständigkeit suchen. In besonderen Fällen könnte es professionelle Hilfe, wie z.B. zeitweise Nachhilfe, Lern- oder Ergotherapie sein, die keine Leistung innerhalb des Gutscheinsystems sind, aber am wirkungsvollsten in enger Zusammenarbeit aller Beteiligten möglichst im normalen Hortbetrieb umgesetzt werden sollten.

Die positive Lernatmosphäre in kleiner Gruppe und das Lernen ohne Druck wirken der Belastung durch Hausaufgaben einiger Kinder entgegen. Ziel ist es, eine größtmögliche Eigenständigkeit – auch durch unterstützende Angebote und Projekte, wie z.B. „Das Lernen lernen“ oder „Wie kann ich mich konzentrieren?“ – zu erreichen.

Im ersten Jahr wird die Hortbetreuung im besonderen Maße auf die Veränderungen der geforderten Selbständigkeit und dem Bedürfnis nach Geborgenheit eingehen. Der Hort wird die Kinder behüten, ihnen Sicherheit geben und sie dadurch in ihrer Selbständigkeit fördern.

Der Hort bietet Schulkindern ein Zuhause mit Mittagessen und Bezugsperson, mit Angeboten zum Rückzug, zum Bewegen und Spielen mit Freunden oder allein und einen Weg zur Bewältigung der Hausaufgaben. In diesem Rahmen haben die Schulkinder die Möglichkeit, sich in ihrem eigenen Tempo – neben den Anforderungen der Schule – in den einzelnen Kompetenzen weiter zu entwickeln.

Projektarbeit

Lernen in Projekten ist ein entdeckendes und forschendes Lernen. Dabei steht das Ergebnis nicht schon vorher fest, sind die Antworten nicht schon vorher klar.

Projekte bleiben nicht nur auf die Räume der Kindertageseinrichtung begrenzt und sind hervorragend geeignet, zur Öffnung der Kita beizutragen: Sei es durch gezielten Einbezug von Experten oder spontane Kontakte zum Beispiel zu Nachbarn oder Handwerkern, die als „Ehrenamtliche“ die pädagogische Arbeit mit ihren Erfahrungen bereichern.

Dr. Brehmer: Aus der Praxis einer Kinderärztin; Reinbek 2002, S.236

Besonders in den Ferienzeiten werden in Absprache mit dem Haus von Fachdozenten geleitet, die über einen festgelegten Zeitraum Bildungsbereiche in kleinen Einheiten mit wenigen Kindern bearbeiten. Diese externen Dozenten sind im Idealfall meisterhafte Repräsentanten ihres Faches und können die Kinder an ihrer Begeisterung für ihr Fach teilhaben lassen. Die Fachkompetenz  der Dozenten ist hier eine entscheidende Voraussetzung für die Vermittlung von Interesse.  Die grundsätzliche Überlegung zum Einsatz von Fachdozenten ist dabei die, dass es einem enthusiastischen Dozenten viel besser gelingen kann, Kinder beispielsweise für Pflanzen- oder Tierbetrachtung zu begeistern, als es Erzieherinnen und Erziehern jemals gelingen kann, da es sich bei dem Wissen in der Regel um Basiswissen und nur einen Teil der Kompetenz einer Person handelt.

Die besondere Rolle der Erzieher/innen in der Kinderakademie

Das pädagogische Personal hat im Wesentlichen die Aufgabe, eine Sensibilität für die Stärken der Kinder zu entwickeln und den Focus im Miteinander vermehrt darauf zu richten.

Erzieher und Erzieherinnen der Akademie für Kinder sollen Spezialisten der Beobachtung werden. Diese Beobachtungskompetenz ist die Grundlage dafür, die Kinder individuell und die Gruppen als Ganzes in ihren differenzierten Entwicklungen gezielt zu unterstützen. Auch für die Organisationsentwicklung ist gezielte Beobachtung fundamental: Die Auswertung der Ergebnisse der Beobachtungen ermöglicht eine Anpassung der Konzeption, wenn sich darin zeigt, dass sich die Anforderungen an die Organisation verändern.

Folgende Qualitätskriterien zum Beobachten und Dokumentieren aus den Hamburger Bildungsempfehlungen dienen hierbei der Orientierung:

  • Erzieherinnen führen regelmäßige Beobachtungen einzelner Kinder oder Kindergruppen durch, dokumentieren diese und werten sie mit den Kindern, im Team und mit den Eltern aus.
  • Sie finden organisatorische Möglichkeiten, die regelmäßiges Beobachten im Rahmen der jeweiligen Bedingungen der Kita sichern.
  • Sie achten auf alle Kinder und beobachten nicht nur diejenigen, die zeitweise oder dauerhaft mehr Zuwendung brauchen.
  • Sie beschreiben mit Hilfe ihrer Beobachtungen, der Selbstzeugnisse des Kindes und der Einschätzung der Eltern, welche Entwicklungsfortschritte ein Kind gemacht hat und welche Wege es dahin genommen hat.
  • Sie entwickeln mit den Eltern einen Plan für die zukünftige Förderung des Kindes. Im Rahmen eines solchen Förderplanes werden Kinder mit Entwicklungsdefiziten, Kinder in der normalen Entwicklung und Kinder mit besonderer Begabung ihren Bedürfnissen entsprechend gefördert.
  • Sie halten die Ergebnisse der Reflexion schriftlich fest und nutzen sie für die Erstellung einer individuellen Bildungsdokumentation, für die auch verschiedene Medien eingesetzt werden können. Sie entwickeln dafür ein Dokumentationssystem.
  • Sie stellen die Bildungsdokumentation Kindern und Eltern zur Verfügung.

Die Organisation trägt Sorge für Transparenz und wird Kindern und Eltern partnerschaftlich, nicht bevormundend gegenübertreten und gleichzeitig eine deutliche Orientierung bieten.

Dozenten

Der Grundgedanke zum Einsatz von Dozenten in der Kindertagesstätte ist die Schulung der Kinder zur differenzierten Wahrnehmung einerseits und der Glaube an den didaktischen Nutzen der Auseinandersetzung von Kindern mit Spezialisten andererseits.

Voraussetzung zur Arbeit von externen Dozenten mit Kindern der Einrichtung muss daher immer eine umfassende Kompetenz in einem speziellen Berufs- oder Themenbereich sein. Hier sind Menschen gemeint, die durch ihren Lebenslauf eine besondere Kompetenz ausweisen wie beispielsweise Professoren, Studenten oder Lehrer, Künstler, Schauspieler, Handwerksmeister oder Menschen mit speziellen Erfahrungsberichten.

Raumgestaltung

Die Akademie ist eine für Kinder bewusst gestaltete Umgebung. Die Auswahl der Farben, der Einrichtung und Spielmöglichkeiten soll die pädagogische Arbeit fördern und transparent machen. Wertschätzung, Ordnung und Werte bleiben erkennbar.

Jedes Kind, jede der fünf Gruppen verfügt über einen eigenen Gruppenraum, der sich in seiner Gestaltung von allen anderen Räumen unterscheidet. Jeder Raum soll klar strukturiert, hell und nicht überfrachtet sein. Neben der klaren Zuordnung bestimmter Spielbereiche mit hohem Aufforderungscharakter, wie z.B. Bauen, Lesen, Verkleiden, gibt es vor allem viel „Freiraum“ für eigene Ideen der Kinder.

Der Garten ist so gestaltet, dass er zum Experimentieren, Forschen und Bewegen einlädt. Gleichzeitig ist es ein geschützter Rahmen für unsere Kleinkinder.

Es wird dabei bewusst Verantwortung für den Erhalt und die Pflege von Material und Einrichtung an die Kinder übertragen. Kinder wollen aktiv etwas beitragen zum Zusammenleben in der Gemeinschaft und sie werden nur dann ein Verantwortungsgefühl entwickeln können, wenn sie Verantwortung übernehmen dürfen. Gleichzeitig werden die Räume wertgeschätzt, indem sie aufgeräumt, gepflegt und ggf zügig renoviert werden. Die Räume in der Akademie passen sich stets an die Entwicklung der Kinder, der Gruppe und der Akademie an und verändern sich mit den neuen Bedürfnissen.

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III Qualitätssicherung und -Entwicklung

Ziele der Qualitätsentwicklung

Die Qualitätsentwicklung dieser Organisation unterscheidet zwei Bereiche:

  1. Die Entwicklung, Dokumentation und Evaluation einer transparenten, pädagogischen Dienstleistungsqualität einerseits und die
  2. Optimierung der Organisationsabläufe andererseits.

Primäres Ziel der QE ist die Schaffung einer lernenden Organisation, die ihre Qualität dauerhaft, auch bei sich verändernden Anforderungen oder Rahmenbedingungen, sicherstellen kann.

Verfahren zur Qualitätssicherung

Entscheidend für die Auswahl der Verfahren zur Qualitätssicherung ist deren Nutzen. Für die Formulierung der Qualität der Organisation zum einen und die Entwicklung einer Strategie wurden für die Gründung und Aufbauphase folgende Verfahren gewählt:

  1. Balanced Scorecard
    Die Organisation wird eine Balanced Scorecard (strategisches Controllinginstrument) entwickeln und einführen. Die Balanced Scorecard ermöglicht die Ausrichtung der gesamten Organisation auf gemeinsam vereinbarte, transparente Ziele zur Optimierung der Organisationsabläufe. Die Kompetenzen aller beteiligten Personen werden in den Prozess der Qualitätsentwicklung eingebunden.
  2. Wissensmanagement durch „Fachfrauenprinzip“
    Alle pädagogischen Mitarbeiter/innen werden Fachmann/-frau für spezifische Aufgabengebiete und Fragestellungen unserer pädagogischen Arbeit. Für diese Qualifizierung stehen den Mitarbeitern/-innen verschiedene Ressourcen und Instrumente zur Verfügung. In einem jährlichen Zyklus werden Inhalte und Maßnahmen verbindlich geregelt. Präsentationen der Fachbereiche im Team ermöglichen den Wissenstransfer in die Organisation.

Aus dem unter 1. entwickelten Evaluationsverfahren wird eine konzeptionelle Fremdevaluation durch Eltern, Kinder, Erzieher, BBS und Organisationsberatung organisiert. Dieses Verfahren soll die Organisation befähigen sich den Anforderungen des Marktes zu stellen und ihre Qualität zu überprüfen.

Die Balanced Scorecard für die Akademie für Kinder ist entwickelt und implementiert. Durch die wiederkehrende Fokussierung der Organisation auf die pädagogischen Kernprozesse einerseits, die Betrachtung der Qualität der Organisation und des wirtschaftlichen Erfolges andererseits, haben die Balanced Scorecard für alle Beteiligten der Organisation zu einer stabilen und objektiven Stütze der Qualitätssicherung in der Akademie für Kinder gemacht.
Durch die Balanced Scorecard ist die Akademie für Kinder jederzeit in der Lage, die Entwicklung der Organisation und den aktuellen Stand nach innen und außen transparent zu machen.

Fortbildungs- und Beratungsangebot

Gemäß dem Selbstverständnis der Organisation beinhaltet ihr Bildungsauftrag neben der Bildung und Betreuung der Kinder auch die Bildung der Eltern und Mitarbeiter. Die Akademie unterliegt selbst einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess sowohl bezüglich ihrer Angebote, wie auch ihrer Struktur. Eine erfolgreiche Organisationsentwicklung lebt von den ihr bereitgestellten Kompetenzen.
Fortbildungen sichern und fördern die Qualifikation der Mitarbeiter. Sie dienen der Auseinandersetzung mit dem eigenen Berufsbild und erweitern den kollegialen Austausch sowie die Vernetzung. Fortbildungen sollen einem Stillstand entgegenwirken und die Motivation der Mitarbeiter erhalten.

Für die Eltern wird ein umfangreiches Beratungsangebot bereitgestellt. Sie sollen von der Kompetenz der Einrichtung und deren Netzwerk profitieren. In der Kinderakademie wird ein Programm entwickelt, welches eine Jahresplanung für verschiedene Vortragsveranstaltungen zu interessanten pädagogischen Themen beinhaltet. Die Vorträge werden von internen und externen Dozenten gehalten.

Mitwirkung von Eltern und Kindern

Vertrauen ist die beste Voraussetzung für ein erfolgreiches Gelingen des Bildungs- und Betreuungsauftrages. Die Einrichtung versteht sich als lernender Partner, der den Kindern und Eltern in allen Fragen, Sorgen und Ängsten, Unsicherheiten und Ansprüchen in Erziehungs- und Bildungsfragen kompetent und offen zur Seite steht.

Die Einrichtung sorgt für Transparenz der pädagogischen Konzeption und bietet Mitgestaltungsmöglichkeiten vielfältiger Art und Weise an. Durch Themenelternabende beispielsweise werden konstruktive Diskussionen zwischen Eltern und Erziehern angeregt.

Das Restaurant als kommunikativer Treffpunkt für Kinder, Eltern und Erzieher soll zum Verweilen einladen und Gespräche fördern.

Elternvertretung

Die Elternvertretung dient der Zusammenarbeit zwischen Trägern, Einrichtungen und den Sorgeberechtigten der Kinder. Sie vertritt die Interessen der Kinder und ihrer Sorgeberechtigten gegenüber ihrer Einrichtung und dem Träger. Die Elternvertreter werden von der Einrichtung informiert  und angehört, bevor wesentliche Entscheidungen getroffen werden. Dies gilt insbesondere für geplante Veränderungen der pädagogischen Konzeption und ihrer Umsetzung in der Arbeit in der Tageseinrichtung, geplante Änderungen der räumlichen und sachlichen Ausstattung sowie Umfang der personellen Besetzung.

Dr. Dreier u.a.: Entwurf Hamburger Bildungsempfehlungen stand 09.06.2005; Behörde für Soziales und Familie der Freien und Hansestadt Hamburg; S. 17

Elternabend

Die Elternabende sollten sich als Kompetenzversammlung für die Entwicklung und Förderung der Kinder verstehen. Hierbei können sich selbstbewusste und kompetente Erzieher selbstbewussten und kompetenten Eltern gegenüberstehen und von den unterschiedlichen  biografischen Erfahrungen gegenseitig profitieren.
Die Mehrheit der Gemeinschaft definiert die Entwicklungsrichtung der pädagogischen Grundsätze, Minderheiten erfahren eine aufmerksame und objektive Beachtung und korrigieren gegebenenfalls die Richtung zu einem Kompromiss.  

Rückmeldungen zur Entwicklung des Kindes

Professionelle Beobachtungen der Entwicklung der Kinder ermöglichen deren gezielte Förderung. Die Einrichtung will mit den Eltern gemeinsam die Entwicklung und die Möglichkeiten der Akademie erörtern.

Es gilt daher, im Dialog zwischen Eltern und Einrichtung einen gemeinsamen Weg zur optimalen Begleitung der Kinder zu finden. Die Kinder profitieren von der Dialogfähigkeit von Eltern und Einrichtung. Für eine ganzheitliche Betrachtung und Bewertung der Kinder müssen die unterschiedlichen Kompetenzen vereint werden. Um ein möglichst großes Verständnis für die emotionale Verfassung der Kinder zu bekommen, ist die Beteiligung der Eltern an der Beobachtung und Bewertung unerlässlich.

Die Erzieher können jederzeit eine kompetente Einschätzung der motorischen und sozialen Entwicklung der Kinder geben, eine Annäherung an eine objektive Betrachtung der emotionalen Fähigkeiten und der Beurteilung der Ressourcen kann nur mit der umfassenden Kompetenz der Eltern erreicht werden.

Mitspracherecht der Kinder

Die Kinder stehen im Zentrum der Akademie, ihre Betreuung und Bildung ist der Zweck.

Jedes Kind ist Einzigartig und in seiner Würde unantastbar.

Hierzu gehört das Recht auf Achtung. Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Akademie für Kinder verpflichten sich eine kontinuierliche, von Wertschätzung und Respekt getragene Beziehung zu den Kindern anzustreben.

In der Einrichtung werden Instrumente zur freien Meinungsäußerung entwickelt. Kinder der Akademie sollen demokratische Prozesse kennen lernen und deren Umsetzung einüben. Die Entwicklung demokratischer Instrumente, deren Implementierung und die Evaluation dieses Prozesses werden entsprechend dokumentiert.

Ausblick

Medienkompetenz als Aufgabe

Medien sind heute ein alltäglicher Bestandteil der Welt. Unsere Kinder wachsen in diese Welt hinein, haben einen selbstverständlichen Zugang zu Medien, die noch vor wenigen Jahren etwas ganz besonderes, etwas neues waren. Andere Medien, wie z. B. Schallplatten und Kassetten sind der heutigen Welt nahezu entwachsen. Es findet eine rasend schnelle Entwicklung auf diesem Gebiet statt, deswegen ist es für Eltern, Erzieherinnen und Erzieher wichtig zu wissen, wie Kinder Medien erleben.

Die Akademie stellt verschiedene Medienformen zur Verfügung, Zeit und Raum zur Reflektion, Gespräche, Vergleichsmöglichkeiten, Unterstützung und Anregungen, um den Kindern Orientierung zu geben, sich in der Medienwelt zunehmend kompetent zu bewegen.

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